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Sie schrie. Nachhaltig und ausdauernd. Davon wachte sie auf. Der kalte Schweiß einer unruhigen, kaum geschlafenen Nacht ließ sie frösteln.
Eine Tür fiel ins Schloss und sie dachte, Gott sei Dank!
Sie blinzelte kurz in das morbide Licht des eisgrauen Wintertages und schloss die Augen, um sich an den Traum zu erinnern, der sie geweckt hatte. Falk hatte die schützenden Vorhänge aufgezogen, bevor er gegangen war. Eine typische Bosheit von ihm. Sie stand auf, um die Vorhänge zuzuziehen. Als sie ans Fenster trat, sah sie auf dem Nachbargrundstück Marga, wie sie ihren Mann verabschiedete. Sie tat das jeden Morgen. Im Winter trug sie immer ihren Pelzmantel über ihrem Morgenrock und Fellhausschuhe gegen die Kälte. Carolin beobachtete das Schauspiel kurz und wandte sich dann ab. Als sie die Vorhänge geschlossen hatte, schlief sie wieder ein.
Gegen zehn Uhr erwachte sie ein zweites Mal. Ihre Glieder fühlten sich bleiern an. Sie hatte zu lange geschlafen. Daran allein lag es nicht, dass ihr das Aufstehen so schwer fiel. Vielmehr war es die Erkenntnis, dass Falk sogar ihre Albträume dominierte.
Sie blieb noch eine Weile liegen. Gerne hätte sie diesen Tag im Bett zugebracht. Manchmal tat sie das, heute aber ging es nicht.
Am Abend fand die traditionelle Weihnachtsfeier der Moninorm KG statt, undenkbar, ihren Mann dorthin nicht zu begleiten. Die Moninorm war ein moderner Götze, dem alles untergeordnet wurde.
Carolin fiel es zunehmend schwerer, diesem Gott zu huldigen und die Rolle der charmanten, geistreichen und eleganten Gattin eines smarten Managers zu verkörpern. Das lag an Falk, nicht an der Aufgabe. Eigentlich liebte sie große Auftritte, sie waren ihre Domäne, das was sie am besten konnte. Je näher allerdings so ein Auftritt rückte, umso stärker erfasste sie Furcht. Die Furcht, etwas falsch zu machen - „zu versagen“, wie Falk es ausdrücken würde...
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